Profitabilitäts-Optimierung

Profit Labeling System (PLS)

Nach diesem Playbook teilst du dein Sortiment automatisch in fünf Labelgruppen ein und lenkst das Budget in die Produkte, die wirklich Deckungsbeitrag bringen.

5 Schritte · 5 Minuten Lesezeit

Profit Labeling System (PLS)

Für wen

  • Onlineshops mit großem Sortiment, in denen wenige Topseller das Budget verbrauchen
  • Konten, in denen der ROAS stimmt, der Deckungsbeitrag aber nicht
  • Shops mit hohen Retouren oder stark unterschiedlichen Margen
  • Teams, die Warenwirtschaft und Google Ads zusammenbringen wollen

Was du danach hast

  • Fünf Labelgruppen mit klaren Kriterien
  • Eine saubere ID-Kette von ERP über Feed bis Google Ads
  • Eine Kampagnenlogik, die jeder Gruppe ihr Budget gibt
  • Regeln, die die Labels jede Woche automatisch aktualisieren

Worum es geht

In großen Sortimenten verteilt Google das Budget nach Nachfrage und bisherigem Erfolg. Das bevorzugt Topseller, auch wenn ihre Marge klein ist. Produkte mit guter Marge und wenig Historie bleiben unsichtbar.

Das Profit Labeling System dreht das um. Jedes Produkt bekommt regelmäßig ein Label aus Performance, Marge und Wettbewerbsfähigkeit. Auf dieser Grundlage entscheiden wir über Budget, Gebotsstrategie und Optimierung. Es ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit in Google Ads.

1. Produkte automatisch bewerten

Für die Bewertung setzen wir den Flowboost Labelizer ein, eine Kombination aus Google Ads Skript und Google Tabelle. Er bewertet alle Produkte jede Woche neu und ordnet sie in fünf Gruppen ein.

Die fünf Labelgruppen, von unten nach oben
  1. 5
    Over-Indexsehr hohe Profitabilität, ROAS klar über Ziel und genug Klicks
  2. 4
    Indexstabil im Ziel-ROAS
  3. 3
    Near-Indexknapp unter dem Ziel-ROAS, mit Potenzial
  4. 2
    Under-IndexTraffic vorhanden, aber unzureichende Profitabilität
  5. 1
    No-Indexzu wenig Daten oder neues Produkt ohne Conversion-Historie

2. Marge und Wettbewerb einbeziehen

Labels entstehen nicht nur aus Klicks und ROAS. Zwei betriebswirtschaftliche Größen kommen dazu:

  • Marge: Produkte mit geringem Deckungsbeitrag werden auch bei solider Performance zurückgestuft. So liegt der Fokus auf den profitableren Artikeln.
  • Preiswettbewerbsfähigkeit: Die Preisdaten aus dem Merchant Center fließen ein. Produkte, die dauerhaft teurer als der Wettbewerb sind, rutschen automatisch in Under-Index, auch wenn sie Klicks und Impressionen haben.

Zusammen ergibt das ein Label, das Marketing-Entscheidungen nach Wirtschaftlichkeit trifft und nicht nur nach Klick- und Conversionzahlen. Woher Marge, Retouren und Bestand kommen, steht im nächsten Schritt.

3. Mit ERP-Daten

In diesem Schritt holst du Marge, Retouren und Bestand aus der Warenwirtschaft und bringst sie mit den Zahlen aus Google Ads zusammen. Das ist die Brücke zwischen Marketing-Daten (Klicks, Kosten, ROAS) und Geschäftsdaten (Deckungsbeitrag, Lager, Retouren). Ohne sie lernt Smart Bidding aus unvollständigen Signalen, und Topseller mit kleiner Marge bekommen weiter das meiste Budget.

Datenquelle und ID-Kette

Lege fest, welches System für jedes Produkt die Wahrheit liefert:

  • ERP, Shop oder BI: Marge, Deckungsbeitrag, Retourenquote, Lagerbestand, Einkaufspreis, Lieferzeit
  • Google Ads und Merchant Center: Kosten, Conversions, Conversion-Wert, Klicks, Preiswettbewerbsfähigkeit

Entscheidend ist eine Artikel-ID, die in ERP, Feed und Google Ads gleich ist, zum Beispiel id im Feed oder item_id im Tracking. Stimmen die IDs nicht überein, stimmt keine Auswertung.

Bewertungsmatrix

Die Matrix führt beide Quellen je Artikel zusammen. Das Minimum sind Deckungsbeitrag und Marge, Retourenquote, Bestand und Lieferfähigkeit aus dem ERP sowie Kosten und Conversions aus Google Ads. Aktualisiere sie wöchentlich oder alle zwei Wochen.

Einstieg von Hand: Liste 50 Top-Artikel und 50 Problem-Artikel, zieh für jeden die Kennzahlen und entscheide, ob er gepusht, gehalten oder begrenzt wird. Aus deinen Entscheidungen entsteht das erste Regelset. Viele starten mit drei Stufen: A pushen, B stabil halten, C begrenzen. Die feinere Einteilung sind die fünf Gruppen aus Schritt 1. Neue Produkte starten in C oder einer eigenen Testgruppe und steigen auf, wenn sich die Performance bestätigt.

Label in den Feed schreiben

Das Ergebnis der Matrix wird ein Feld je Artikel, zum Beispiel erp_label mit der Gruppe und optional erp_reason mit dem Grund ("Low margin", "High returns", "OOS"). Es kommt als Custom Label in den Feed, per Feed-Regel oder ergänzendem Feed, siehe Shopping & PMax Playbook.

Bei Baushop Express haben wir so eine Matrix aufgebaut, die Google-Ads-Daten mit Umsatz, Marge und Deckungsbeitrag aus dem ERP verbindet. Die wichtigsten Learnings: Saubere Produkt-IDs sind das Fundament, und erst ein fester Rhythmus aus Jour Fixe und Dashboard macht das System wirksam.

Typische Fehler

  • Nur ROAS als Kriterium: ROAS ist kein Profit.
  • Zu komplexes Scoring: Was niemand versteht, nutzt niemand.
  • Keine Routine: Läuft die Bewertung nicht regelmäßig, veraltet die Steuerung.

4. Kampagnen an die Labels koppeln

Aus den Labels folgt die Kampagnenlogik in Google Ads:

Welche Kampagne welche Gruppe bekommt
PMax Main
  • alle Produkte, breite Aussteuerung
  • sammelt Daten, testet neue Produkte
  • konservatives ROAS-Ziel
PMax Push und Shopping Push
  • nur Over-Index und Index
  • hoher Budgetanteil
  • Shopping Push nach Margenklasse oder Kategorie
Testkampagnen
  • Near-Index mit neuen Creatives und Signalen
  • No-Index mit kleinem Budget zum Datensammeln

Das Ergebnis ist eine klare Budgetlenkung: Budget fließt bevorzugt in die Produkte mit dem größten Ergebnisbeitrag. Schwache Produkte bleiben sichtbar, bekommen aber nur wenig Budget. Die Labels kommen als Custom Label in den Feed, siehe Shopping & PMax Playbook.

5. Pflege automatisieren

Die Labels werden nicht von Hand gepflegt:

  • Regeln in Optmyzr: Labels werden nach festen Kennzahlen vergeben, etwa ROAS, Klicks, Kosten oder Conversion-Wert.
  • Anzeigeneffektivität: Die Anzeigenstärke der responsiven Suchanzeigen wird automatisch überwacht und gelabelt.
  • Placement-Ausschlüsse: unprofitable oder unpassende Placements werden nach festen Regeln ausgeschlossen.

So bleibt die Struktur aktuell, ohne dass im Tagesgeschäft Pflegeaufwand entsteht.

Beispiel: Möbelhändler mit großem Sortiment

Ein Möbelhändler mit über 5.000 Produkten hatte die typische Ausgangslage: Wenige Topseller dominierten die Performance Max Kampagnen, viele Produkte mit guter Marge liefen kaum, und ein Teil des Budgets floss in Produkte mit viel Traffic und ohne Conversions.

So sind wir vorgegangen:

  1. Alle Produkte nach Klicks, ROAS und Marge in die fünf Gruppen eingeteilt
  2. Eigene PMax Push Kampagnen mit mehr Budget für Over-Index
  3. Dauerhaft zu teure Produkte nach den Daten aus dem Merchant Center in Under-Index verschoben, sichtbar, aber mit wenig Budget
  4. Near-Index mit neuen Anzeigentexten, zusätzlichen Zielgruppensignalen und besseren Bildern getestet
  5. No-Index in eigenen Testkampagnen mit kleinem Budget

Danach war im Konto klar, welche Produkte Geld verdienen, und die Struktur ließ sich sauber skalieren.

Rechner

ERP Labelizer: ein Produkt einordnen

ROAS ist kein Profit. Trag für ein Produkt die Zahlen aus Google Ads und aus dem ERP ein, und du siehst, in welches Segment es gehört und wie es im Konto gesteuert werden sollte. Nimm ein paar Top-Seller und ein paar Problemfälle, daraus entsteht dein erstes Regelset.

Ein Produkt, letzte 30 Tage

Conversion Value dieses Produkts im Betrachtungszeitraum, brutto wie in Google Ads ausgewiesen.

€

Werbekosten, die diesem Produkt zugeordnet sind. In PMax näherungsweise über den Produktbericht.

€

Anteil vom Umsatz, der nach Wareneinsatz, Versand und Zahlungsgebühren übrig bleibt, vor Marketingkosten. Aus dem ERP, nicht geschätzt.

%

Anteil des Umsatzes, der zurückkommt. Im Modell wird der Umsatz anteilig reduziert.

%

Datenbasis. Unter 30 Klicks im Zeitraum ist eine Bewertung nicht belastbar, das Produkt gehört dann in den Testbereich.

Lieferfähigkeit

Produkte, die häufig nicht lieferbar sind, verbrennen Budget und Lernsignale und werden zurückgestuft.

Preiswettbewerbsfähigkeit

Aus dem Merchant Center. Produkte, die dauerhaft teurer als der Wettbewerb sind, werden unabhängig von der Performance zurückgestuft.

Segment für dieses Produkt
IndexKlasse B
Umsatz nach RetourenBasis für den Deckungsbeitrag
3.600 €
Deckungsbeitrag vor MarketingUmsatz nach Retouren mal Marge
1.080 €
Ergebnisbeitrag nach Ads-Kostendas, was am Ende übrig bleibt
280 €
POASDeckungsbeitrag geteilt durch Ads-Kosten
1,35
ROASzum Vergleich, ohne Marge und Retouren
5,00
Warum dieses Segment
  • POAS von 1,35: aus jedem Euro Werbekosten entstehen 1,35 € Deckungsbeitrag.
Halten: Main-Kampagne, konservativ steuern

Das Produkt liegt stabil im Zielbereich. Es gehört in die Main-Kampagne, ohne Sonderbehandlung. Nicht am Budget drehen, sondern beobachten, ob es sich in Richtung Over-Index entwickelt.

Die fünf Segmente

SegmentBedeutungSteuerung im Konto
Over-IndexHohe Profitabilität, klar über ZielEigene Push-Kampagne, aggressiveres Ziel, mehr Budget
IndexStabil im ZielbereichMain-Kampagne, konservative Steuerung
Near-IndexKnapp unter Ziel, Potenzial vorhandenTesten mit Creatives, Titeln und Signalen
Under-IndexTraffic ja, Ergebnis neinBudget begrenzen, ausschließen oder Preis und Feed prüfen
No-IndexZu wenig Daten oder neuKleines Testbudget, danach neu bewerten

Das für 5.000 SKUs statt für eines? Genau dafür bauen wir den Labelizer als Prozess: ERP- und Ads-Daten zusammenführen, wöchentlich neu bewerten und die Labels direkt an Feed und Gebotsstrategien hängen.

Kostenlose Deep-Dive-Analyse buchen

Vereinfachtes Modell für die Einordnung eines einzelnen Produkts. Der Deckungsbeitrag wird auf den Umsatz nach Retouren gerechnet, Retouren werden dabei anteilig abgezogen. Die Schwellen orientieren sich am POAS, also am Deckungsbeitrag je Euro Werbekosten: ab 2,0 Over-Index, ab 1,3 Index, ab 1,0 Near-Index, darunter Under-Index. Unter 30 Klicks ist keine belastbare Bewertung möglich, das Produkt gilt als No-Index. Zusätzlich gelten zwei Rückstufungen: dauerhaft zu teuer im Wettbewerb und häufig nicht lieferbar führen unabhängig von der Performance zu Under-Index, eine Marge unter 10 Prozent stuft ein Segment herunter. Reale Bewertungen berücksichtigen zusätzlich Lagerreichweite, Saison und Wiederkaufverhalten.

Checkliste

Aus der Praxis · Case Study

hoseonline

+37 % Deckungsbeitrag durch Einführung von Margen- und Retourenlogiken.

Wir schauen uns dein Sortiment und deine Budgetverteilung gemeinsam an.

Um herauszufinden, wie wir dir und deinem Unternehmen helfen können, laden wir dich zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Such dir einfach einen passenden Termin für einen kurzen Call aus.

ca. 30 Minuten kostenlos & unverbindlich Gespräch mit einem Geschäftsführer
Sebastian Beneke, Co-Founder von Lyonic